Hans-Peter Gauster

a sloppy perfectionist

Gaustatoppen (1883 m)

Vom Gipfel des 1883 Meter über dem Meer gelegenen Gaustatoppen kann man an schönen Tagen angeblich ein Sechstel der gesamten norwegischen Landfläche sehen. Das und die einfache Erreichbarkeit, sowie die relativ geringen Schwierigkeiten beim Aufstieg machen ihn zum beliebtesten Berg Südnorwegens für Wanderer. Bei unserer gestrigen Wanderung auf diesen Berg haben sich dem entsprechend sowohl viele Touristen als auch Einheimische den Weg mit uns geteilt.

Wir haben den einfachsten und beliebtesten Aufstieg gewählt, der am unübersehbaren und stark frequentierten Parkplatz an der Straße zwischen Rjukan und Tuddal beginnt. Die Route ist von dort mit gut sichtbaren roten Markierungen in Form des Buchstaben “T” gekennzeichnet. Notwendig waren diese nur selten – es reichte vollkommen aus, den anderen Gruppen zu folgen, die gerade unterwegs waren. Dazu ist auch der knapp neben dem Gipfel befindliche Funkturm als Orientierungspunkt schon beim Start der Wanderung sehr gut zu sehen, was für den größten Teil des Anstieges so bleibt.

Auf dem Weg zum Gipfel finden sich keine größeren technischen Schwierigkeiten. Man muss sich nicht sklavisch an die markierte Route halten, da das Gelände zumeist problemfrei eingesehen und begangen werden kann. Man befindet sich bereits beim Einstiegspunkt auf knapp unter 1200 Metern Seehöhe oberhalb der Baumgrenze, der Untergrund ist anfangs teilweise noch ein wenig bewachsen, später arbeitet man sich über Blockwerk wechselnder Größe aufwärts. An den Flanken des Berges liegt auch zu dieser Jahreszeit noch Schnee und wir hatten sogar zwei kleine Schneefelder, die sich bis in den Juli hinein gehalten haben, zu überwinden. Steile Abschnitte, die größere Herausforderungen an Kraft und Ausdauer stellen, sind nicht vorhanden, man muss allerdings im steinigen Gelände durchaus Acht geben, immer sicheren Tritt zu halten.

Die Witterungsbedingungen, die wir vorgefunden haben, waren leider nicht die besten. Die Temperaturen lagen nicht weit über dem Gefrierpunkt (womit zu rechnen war) und unglücklicherweise haben sich immer wieder Wolken um den Gipfel gehüllt. Leichter Regen und in höheren Lagen sogar Schneeschauer haben uns auf unserem Weg bergan begleitet. Die so großartig beschriebene Aussicht haben wir unter diesen Umständen leider nur erahnen können. Auch haben wir den tatsächlichen Gipfel des Berges, um genau zu sein, gar nicht erreicht. Angesichts der Wetterlage haben wir uns entschieden am Funkturm und der dort gelegenen Hütte Halt zu machen, und die zehn Minuten Gehzeit zum wirklichen Gipfel, der lediglich wenige Meter höher gelegen ist, nicht mehr zu machen.

Der Gaustatoppen ist mit Recht eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region. Die Wanderung zum Gipfel ist nicht schwierig, aber für die Kondition immerhin eine kleine Herausforderung. Auch bei relativ bescheidenen Bedingungen haben wir erahnen können, wie toll der Rundblick von oben bei guten Bedingungen sein muss. Schon die Ausblicke, die sich uns durch die Wolkenfenster, die sich aufgetan haben, geboten haben, waren eine tolle Belohnung für die Bemühungen und die Anreise wert. Ich habe unsere Tour wie immer aufgezeichnet, die Route kann man auf Runkeeper sehen.

Wir brechen morgen unsere Zelte hier in Hjardtal ab und machen uns weiter auf den Weg an die Westküste Norwegens. Die nächsen Tage werden wir in Stavanger verbringen. Um dort hin zu gelangen, steht uns eine Autofahrt von mehreren hundert Kilometern bevor. Die Distanzen in diesem Land sind wahrlich nicht zu unterschätzen.