Nachdem wir die letzten Tage unseres Urlaubes auf Mallorca unter anderem damit verbracht haben, die sehenswerte Hauptstadt zu erkunden und uns auf geliehenen City-Bikes, bei einer kleinen Runde durch und um ein Naturschutzgebiet, unter die buchstäblich tausenden Rennradfahrer gemischt haben, war am Mittwoch die Zeit gekommen unser gemietetes Auto abzugeben und den Rückflug nach Österreich anzutreten.
Am Flughafen von Palma de Mallorca eingetroffen wurden wir allerdings mit einer in roter Schrift gehaltenen Anzeige auf der Tafel der abgehenden Flüge davon informiert, dass unser Flug zurück nach Graz CANCELADO wurde. Bei der ersten Nachfrage beim Schalter von Air Berlin haben wir erfahren, dass das Flugzeug, mit dem wir hätten reisen sollen, aufgrund eines nicht näher genannten technischen Defektes nicht flugbereit war. Kurz darauf fanden wir uns in einer Warteschlange vor einem separaten Check-In Schalter, der für die somit kurzfristig gestrandeten Passagiere auf dem Weg nach Graz eingerichtet worden war. Nach einer kurzen Weile mäßig unterhaltsamen kollektiven Rätselratens und Galgenhumors wurden wir schließlich vor die Wahl gestellt noch am selben Abend auf einen freien Platz im Flugzeug nach Salzburg samt Bustransfer zurück in die Steiermark zu warten oder auf einen Heimflug am Donnerstag via Zürich umgebucht zu werden. Da die Aussicht auf eine spätnächtliche Busreise quer durch Österreich nur wenig erstrebenswert schien und wir nicht unter Termindruck standen, haben wir uns sofort für den Flug über Zürich entschieden.
Alcúdia liegt am Fuße der Halbinsel Victòria im Nordosten Mallorcas. Die Halbinsel teilt die Buchten von Pollença im Norden und Alcúdia, südlich der Landzunge. Der höchste Gipfel auf Victòria, den wir in den letzten Tagen mehr oder weniger ständig im Blickfeld hatten, ist der Aussichtspunkt Talaia d’Alcúdia, der 444 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Ausgangspunkt für die Umrundung der Halbinsel ist der Wallfahrtsort Ermita de la Victòria, der mit dem Auto gut erreichbar ist.
Vom großen Parkplatz bei der Kirche Ermita de la Victòria, wo ein kleiner Imbiss die letzte Möglichkeit zur Versorgung mit Proviant ist, geht man auf gut angelegten Wegen sofort nach dem Beginn stetig, aber nicht zu steil bergauf. Die gesamte Wanderung verläuft glücklicherweise über nicht schwierigen Untergrund, was mich meine zu Hause vergessenen Wanderschuhe nicht so schmerzlich vermissen ließ, wie ich das befürchtet hätte. Da der Baumbestand relativ spärlich ist, befindet man sich trotz der geringen absoluten Seehöhe während eines Großteils des Rundweges nur selten im Schatten – ausreichender Schutz vor der Sonne ist also anzuraten. Mit jedem Höhenmeter, den man gewinnt, wird die Aussicht spektakulärer. Zunächst öffnet sich der Blick auf die Bucht nördlich der Halbinsel, später auch nach Süden und schließlich kann man im Osten sogar die Nachbarinsel Menorca gut erkennen.
Das Wichtigste zuerst: Auf Mallorca gibt es keinen Schnee, keine Kälte, keine grauen Wolken und auch sonst keine sichtbaren Anzeichen von Winter. So zumindest wurden wir bei unserer Ankunft auf der Ferieninsel empfangen und die Prognosen für die kommenden Tage versprechen ähnlich angenehme Verhältnisse.
Wir sind von Graz nach Palma de Mallorca geflogen, wo wir am Flughafen unseren Mietwagen übernommen haben. Wir fahren diesmal einen sehr komfortablen, quasi fabrikneuen (1600 Kilometer am Tacho bei Übernahme) Peugeot 208, und das obwohl wir einen kostengünstigeren Kleinstwagen gebucht hatten. Die freundliche Dame am Europcar-Schalter hat uns dieses willkommene Upgrade aus eigener Initiative und ohne Aufpreis angedeihen lassen. Warum wir zu dieser Begünstigung gekommen sind ist nicht vollkommen klar geworden, was im Endeffekt aber auch egal bleibt.
Wir residieren im wunderschönen Hotel Can Tem in einer kleinen, engen Gasse von Alcúdia, einer Kleinstadt im nördlichen Teil der Insel. Es ist hier eindeutig noch nicht Hochsaison, auch ist dieser Teil der Insel, obwohl unzweifelhaft auf Tourismus ausgelegt, nicht das pulsierende Zentrum, wo im Sommer die großen Horden der Ballermann-Wahnsinnigen einfallen. Folglich ist es hier eher ruhig und entspannend. Erwartbarerweise ziehen immer wieder Gruppen von Rennradfahrern über die Straßen, die hier optimale Trainingsbedingungen vorfinden, abgesehen davon sind zwar Touristen anzutreffen, aber in moderater Zahl.
Am hat im Joanneumsviertel in Graz das Naturkundemuseum neu eröffnet. Nachdem ich leider an der Eröffnungsveranstaltung und am dort durchgeführten Tweetup nicht teilnehmen konnte, habe ich gestern den so gar nicht frühlingshaften Tag genutzt um mir die neu gestaltete Ausstellung anzusehen.
Die Ausstellungsräume teilen sich in zwei große Abschnitte, einerseits den geowissenschaftlichen Bereich und andererseits eine Sektion, die sich den Biowissenschaften widmet. Im ersten Teil findet sich eine umfangreiche Sammlung von Mineralien aller Art neben einer detaillierten Erläuterung der geologischen Struktur und Entwicklung der Steiermark. Daneben sind auch imposante versteinerte Überreste von längst ausgestorbenen Tieren aus grauer Vorzeit zu bestaunen. Der biologische Teil der Ausstellung behandelt wenig überraschend die Tier- und Pflanzenwelt, wobei ein Schwerpunkt auf der hier heimischen Population liegt, durchaus aber auch Themen globaler Tragweite ihren Platz finden.
In der Saison 2013 ist die weithin bekannte Komödie Pension Schöller das Stück, das von der Laientheatergruppe TheaSpora auf die Bühne gebracht wird. Das Stück von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs wurde, um den personellen Ressourcen der Gruppe besser gerecht zu werden, adaptiert und punktuell erweitert (Musik!), sodass auch für Kenner des mehrfach verfilmten Lustspiels die eine oder andere Überraschung garantiert ist.
Die Premiere findet am (also schon morgen) im Albertussaal der Pfarre Münzgraben (Münzgrabenstraße 61, 8010 Graz) statt. In den darauf folgenden Wochen und Tagen werden sechs weitere Vorstellungen gegeben. Alle Termine und zusätzlichen Informationen sind der Website des veranstaltenden Theater- und Kultuvereins zu entnehmen, auch Kartenreservierungen können direkt dort vorgenommen werden.
Mir kommt erneut die Ehre zu Teil, an der Kassa zu sitzen, die Gäste zu begrüßen und die Einnahmen – die einem karitativen Zweck zugeführt werden – zu verwalten. In diesem, wie auch in den letzten Jahren, wird mit dem eingespielten Gewinn das Haus Rosalie, eine Einrichtung für in Not geratene Frauen, unterstützt. Von der Tatsache, dass das Geld dort ebenso dringend benötigt wie mit großer Dankbarkeit entgegengenommen wird, habe ich mich bereits selbst vor Ort überzeugen können. Ein Theaterabend mit TheaSpora spornt also nicht nur die Lachmuskeln an, mit ihm wird auch Gutes getan, was die ohnehin vorhandene Freude an der Sache für alle Beteiligten, ob aktiv oder passiv, nur noch vergrößert.
Ich mag Musik, die mit der Qualität des Songwritings besticht und sich nicht auf Effekthascherei welcher Spielart auch immer verlassen muss um aufzufallen. Veronica Falls machen solche Musik. Nach ihrem selbstbetitelten Debutalbum aus dem Jahr 2011 ist Waiting For Something To Happen, das vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, der zweite Longplayer der Band aus London.
Wunderhübsche Gesangsharmonien sind die auffälligsten Elemente in den Liedern dieser Band. Wie ein roter Faden ziehen sich die fein komponierten über- und nebeneinander schwebenden Gesangslinien durch die stilsicher arrangierten Popsongs des Albums – beider bislang veröffentlichter Alben um genau zu sein. Die Musik ist very british, herrlich zeitlos unmodern und wirkt trotzdem nie angestaubt oder althergebracht. Die 1990er-Jahre lassen immer wieder unwiderlegbar grüßen, aber das ist erstens nicht die schlechteste Ära, aus der man Einflüsse beziehen kann, und zweitens sind eben diese hier meisterhaft verarbeitet worden, zu etwas, das seinen Platz im Jetzt und Hier nicht rechtfertigen muss.
Veronica Falls verzichten dankenswerterweise auf so gut wie jedes unnötige Beiwerk, das den Stücken nur schaden könnte. Gitarren, Schlagzeug und Bass, mehr brauchen die Indiepop-Perlen nicht um im vollen Glanz zu erstrahlen. Die Band hat einen leicht träumerischen, von dickem Reverb getragenen Sound gefunden, der ihnen und ihren Stücken ausnehmend gut zu Gesicht steht und bleibt sich dabei ohne große Experimente treu. Die Mid- bis Uptempostücke strotzen vor herrlich mitsingbaren Hooklines, die unter anderem, aber wahrlich nicht nur, bestens geeignet sind als Beschallung für lange Fahrten im Auto.
Ich befinde mich in der glücklichen Lage im Büro keinerlei Dresscode unterworfen zu sein. Das ist grundsätzlich sehr angenehm, führt aber meiner Wahrnehmung nach, überspitzt formuliert, zu einem zunehmenden Verfall der textilen Hochkultur. Ich beobachte, nicht zuletzt an mir selbst, dass mit langweiliger Regelmäßigkeit eine ebenso wahl- wie lieblos gekleidete Belegschaft das Büro bevölkert. Das hat mich auf den Gedanken gebracht, aus freien Stücken den auf dem amerikanischen Kontinent erfundenen und gelebten Casual Friday in sein Gegenteil zu verkehren.
Ich propagiere hiermit also den Uncasual Friday, den Tag an dem man, gegen die Gewohnheit und ohne diesbezügliche Vorschrift offizieller Natur, tief im Kleiderkasten forscht und stilvolle Kleidung zu Tage fördert, um sie dann zu tragen, gerade weil man nicht muss. Nichts liegt mir dabei ferner, als für irgendjemanden Krawatten-, Anzugs- oder sonstigen Zwang zu fordern, beziehungsweise dahingehende Regelungen anzustreben. Der Uncasual Friday soll eine Initiative sein, ein Mal pro Woche besonderes Augenmerk auf mit Bedacht gewählte Garderobe zu legen. Worauf die Wahl im Detail fällt und wie streng formal der Tag interpretiert wird entscheidet der subjektive Geschmack eines jeden Einzelnen und ist letztlich auch nicht von entscheidender Bedeutung. Es soll Spaß machen, sich zur Abwechslung mit Mode, Stil und Design bewusst zu beschäftigen.
Der neueste Roman aus der Feder des Grazer Autors Rainer Juriatti ist im Herbst diesen Jahres erschienen und trägt den Namen Lachdiebe.
Das Buch erzählt die Geschichte eines Fotografen, der nach der Scheidung von seiner Ehefrau nach Graz übersiedelt, wo er eine Anstellung als Fotoredakteur erhält. So solide damit die berufliche Situation der Hauptfigur ist, so unstet gestaltet sich das Leben abseits davon in der neuen Stadt. Er, der namentlich nicht bekannt wird, und von dem in der dritten Person die Rede ist, verfällt zunehmend dem Alkohol, pflegt wechselnde, lose, teils auch bezahlte Kontakte zu Frauen und gerät in Schulden seiner Exfrau gegenüber. Die gescheiterte Beziehung zu ihr, die zurück gelassenen Kinder und die stets im Verborgenen schwelende Erinnerung an einen früh verstorbenen Sohn addieren sich zur schweren Last, die der Autor seinem Helden auf die Schultern gibt. Daneben unterhält der Protagonist noch Beziehungen über ein soziales Netzwerk, unter anderem zu einem deutlich jüngeren Mädchen, was absehbar zu Problemen führt.
Das soziale Netzwerk (das nie als Facebook bezeichnet wird) mit seinen Untiefen ist ein kleiner roter Faden von mehreren, der sich durch das Buch zieht, ein anderer ist der obdachlose Straßendichter, welcher der Hauptfigur stets am Eingang zum Redaktionsgebäude begegnet. Unaufgefordert trägt dieser mehr oder weniger kunstvolle Prosagedichte vor, verdient sich so einen kleinen Geldbetrag, der aus der Hand des Zuhörers den Weg in seinen Hut findet, und liefert manchen Denkanstoß, sowie stets Grund zum Zweifel an der Authentizität der von ihm geschilderten Begleitumstände zur Entstehung des Vorgetragenen. Von genau diesem Bittsteller und Künstler wird nicht zuletzt auch der Begriff des Lachdiebes geprägt und ins Buch eingeführt.
Google hat vor wenigen Tagen mit Ingress ein Augmented Reality Game der Öffentlichkeit vorgestellt, das als Spielfläche nicht mehr und nicht weniger als den gesamten Planeten in Anspruch nimmt. Ingress, das Elemente des Geocaching und von Multiplayer Rollenspielen auf sich vereinigt, befindet sich derzeit noch in einer geschlossenen Beta-Phase. Eine Teilnahme am Spielgeschehen ist also nur auf Einladung (eine solche kann man direkt auf der Website des Spieles beantragen) möglich.
Ziel des Spieles ist es, als Vertreter einer der beiden konkurrienden Fraktionen (Enlightened oder Resistance) die Kontrolle über so genannte Portale zu gewinnen und diese in weiterer Folge gegen Angriffe der Gegenpartei zu verteidigen. Ausgerüstet mit einem Android-Smartphone macht man sich zu diesem Zweck auf den Weg in die Stadt, wo es zunächst gilt Exotic Matter zu sammeln, die als kleine leuchtend blaue Punkte auf der Übersichtskarte dargestellt, aufgenommen wird, sobald man sich ausreichend nahe auf sie zu bewegt. Diese so absorbierte Exotic Matter dient quasi als Energielieferant, der für alle Interaktionen mit den zentralen Elementen des Spieles, den Portalen, benötigt wird.
Portale befinden sich bei markanten Punkten im öffentlichen Raum, bevorzugt Kunstwerken, Baudenkmälern und ähnlichen Orten. Standorte für neue Portale können von den Spielern selbst vorgeschlagen werden, indem sie mit Geotags versehene Fotos von interessanten Plätzen einreichen. Bereits vorhandene Portale können, wenn man sich in deren Nähe befindet, gehacked, angegriffen und für die eigene Fraktion in Besitz genommen, aufgerüstet oder mit Energie versorgt werden. Hat eine Seite der Kontrahenten mehrere Portale unter Kontrolle und ausreichend ausgerüstet können diese verbunden und zu Feldern zusammen geschlossen werden. Felder, die stets aus drei Eckpunkten bestehen, sind besonders erstrebenswert, weil diese Punkte für den Gesamtspielstand der Fraktion bringen. Gelungene Aktionen bringen dem Einzelspieler Erfahrungspunkte, die benötigt werden um in höhere Levels aufzusteigen, was wiederum die vom Spieler durchführbaren Aktionen erweitert.
Nur eine Woche nach meinem kurzen Aufenthalt in Berlin habe ich mich für ein verlängertes Wochenende nach London begeben. Die erste positive Überraschung habe ich bereits bei der Anreise von Graz nach Wien zum Flughafen Wien Schwechat im Railjet der ÖBB erlebt. Ich fahre nicht besonders oft mit der Eisenbahn, in modern ausgestatteten und bequemen Zügen wie diesen stellt sich das – im Gegensatz zu unrühmlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit – aber als sehr angenehme Art zu reisen heraus, was die ÖBB auch für die Zukunft zu einer Alternative macht, die ich bei der Reiseplanung verstärkt berücksichtigen werde. Der Flug von Wien nach London Heathrow mit Austrian Airlines verlief gewohnt ruhig, pünktlich und problemlos, nach der Landung war aber bald klar, dass London nicht annähernd so warmes Herbstwetter wie Berlin zuletzt zu bieten haben würde.
Die kühlen, stark windigen und teils auch regnerischen Witterungsverhältnisse sind direkt dafür verantwortlich, dass ich als einziges Souvenir von dieser Reise eine neue wärmende Haube mit nach Hause genommen habe. Nach zwei Tagen Frierens war das Maß des Erträglichen erreicht und sowohl ich als auch meine beiden Begleiterinnen haben den Fehler, die Winterbekleidung zu Hause gelassen zu haben, in der Shoppingmeile unweit des berühmten Kaufhauses Harrods (wo wir natürlich auch gewesen sind) korrigiert. Wir haben allgemein versucht, unsere Aktivitäten zum größeren Teil in geschlossene Räume zu verlegen, von einem obligatorischen Stadtspaziergang ausgehend von den Houses of Parliament und Big Ben und den unvermeidbaren Wegen zwischen U-Bahn-Stationen und den anvisierten Lokalen und Sehenswürdigkeiten abgesehen.